Ernährungsmärchen aufgeklärt
30. Januar 2009 | von Bernd | Kategorie: Spezialthemen
Weniger essen und schneller abnehmen? Mahlzeiten auslassen,um abzunehmen? Die Blutgruppe bestimmt was man am idealsten essen sollte?
Sechs Ernährungsmärchen und ihre Auflösung:
Ernährungsmärchen #1:
Je weniger ich esse, desto schneller nehme ich ab.
Falsch. Die Menge und die Zusammensetzung des Essens spielt die entscheidende Rolle. Wenn Sie zum Beispiel wie bei einer Nulldiät gar nichts essen, senkt Ihr Körper innerhalb von zwei bis drei Tagen seinen Grundumsatz. Er verbrennt weniger, der so genannte Sparflammeneffekt tritt auf. Der dauert über die „Fastenzeit“ hinaus an und führt zum Jojo-Effekt.
Nur mit ausreichend Eiweiß, Kohlenhydraten (niedriger glykämischer Index), genügend Flüssigkeit und den für den Stoffwechsel notwendigen Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen kann Fett optimal verbrannt werden. Dies ist die Voraussetzung für eine rasche und gezielte Gewichtsabnahme. Denn wie bei allen Verbrennungsprozessen erzielt nur der optimale Mix die gewünschten Ergebnisse.
Ernährungsmärchen #2:
Wenn ich eine oder zwei Mahlzeiten am Tag weglasse, kann ich auch gut abnehmen.
Falsch. An den ersten Tagen werden Sie tatsächlich ein paar Pfunde verlieren, aber mittel- und längerfristig gewöhnt sich der Körper an diesen Rhythmus der Nahrungszufuhr und senkt wiederum seinen Grundumsatz und damit auch die Fettverbrennung. Für eine optimale Fettverbrennung werden viele Aminosäuren (Eiweiße), Vitamine, Mineralien und Spurenelemente benötigt, die jedoch nur beschränkt gespeichert werden können. Fehlen diese (z.B. Carnitin), baut der Körper nicht nur weniger Fett, sondern zusätzlich auch Muskelmasse ab. Verlieren Sie Muskelmasse, sinkt der Grundumsatz noch weiter, Sie fühlen sich müde und schlapp.
Ernährungsmärchen #3:
Mit einer 1.000 kcal Mischkostdiät kann ich abnehmen und mich ausgewogen ernähren.
Falsch. Es ist heute unmöglich, mit nur 1.000 kcal pro Tag den Stoffwechsel und die Körperzellen mit allen lebensnotwendigen Nährstoffen zu versorgen. Ein Mangel an Fettsäuren, Eiweißen, Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen wird über mittlere bis längere Zeit die Folge sein.
Ernährungsmärchen #4:
Wenn ich nur Eiweiß und keine Kohlenhydrate esse, nehme ich schneller ab.
Falsch. Wissenschaftliche Untersuchungen haben belegt, dass der Gewichtsverlust in etwa gleich ist, egal ob Sie nur Eiweiß und Fett (wie z.B. bei der Atkins-Diät) essen oder Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten in gleicher Kalorienmenge essen.
Interessant ist jedoch, dass der Gewichtsverlust bei einer eiweißdominierten Diät (z.B. Atkins Diät) vermehrt durch Wasserverlust entsteht, während bei einer ausgewogenen Diät mehr Fett verbrannt wird.
Ernährungsmärchen #5:
Meine Blutgruppe spielt eine Rolle, bei dem was ich essen darf oder nicht.
Falsch. Es gibt keine wissenschaftlich haltbare Erklärung für eine Blutgruppendiät oder spezielle Lebensmittel, die auf Grund einer bestimmten Blutgruppe zu meiden oder zu bevorzugen sind.
Eine viel größere Rolle spielen wahrscheinlich die Gene. Aktuelle Untersuchungen am Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE, 2005) in Potsdam bestätigen, dass der Geschmackssinn vererbt wird. Während früher gegessen wurde was auf den Tisch kam, entscheiden wir uns heute meist für das was uns schmeckt.
Dies führt über kurz oder lang zu einer einseitigen, geschmacksorientierten Ernährung und resultiert in einer steigenden Anzahl von Mangelerscheinungen, Übergewicht und Nahrungsmittelunverträglichkeiten. In Europa leiden 30 bis 40% der Bevölkerung an Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Ihnen werden häufig so genannte Rotationsdiäten empfohlen, bei denen bestimmte Nahrungsmittel nur noch alle 3 bis 4 Tage gegessen werden dürfen.
Ernährungsmärchen #6:
Ein Stück Schokolade jeden Tag ist besser als einmal in der Woche eine ganze Tafel.
Falsch. Wie schnell der Zuckeranteil im Blut ansteigt ist unabhängig von der verzehrten Menge. Ein kleines Stück Schokolade produziert eine gleich hohe Insulinausschüttung wie eine ganze Tafel. Da aber insgesamt wenig Zucker im Blut vorhanden ist, die Insulinmenge aber für eine ganze Tafel ausreichen würde, kommt es schnell zur Unterzuckerung bei gleichzeitig noch hohen Insulinwerten und somit zu Stoffwechselstress. Die Stresshormone Adrenalin und Cortisol werden ausgeschüttet, Sie fühlen sich kribbelig, schwach, gestresst und reagieren mit Heißhunger.
Wenn Sie eine ganze Tafel essen, stimmt das Verhältnis Blutzucker zu Insulin und Sie reagieren mit Sättigung und nicht mit Hunger. Diese Empfehlung ist für Diabetiker jedoch nicht geeignet, da er schon eine etablierte Stoffwechselkrankheit hat. Diabetiker müssen sich an kleine, über den Tag verteilte, Kohlenhydrat-Portionen halten.
Wie bei allem was Sie essen gilt: Die Menge macht’s. Denn alle Kalorien die Sie über Ihrem tatsächlichen Bedarf aufnehmen werden nicht verbrannt und landen als Fett auf den Hüften.
Bild: istockphoto.com/Lloret





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